Alle Artikel mit dem Schlagwort: Realität

Projekt Polly Illustration Laura 28

Laura, 28: Konflikte bringen mich meinem Selbst näher als das unkomplizierteste Miteinander

Laura ist 28 Jahre alt und lebt in Bayern. In ihrer Freizeit taucht sie gern in Bücher ein und im Sportschwimmbecken ab. Über das und noch mehr schreibt sie übrigens auf ihrem eigenen Blog. Identität ist für mich das eigene Ich. Das Quantum Individualität, das mich von anderen 28-jährigen Mädels mit braunen Haaren unterscheidet – von Geruch über Aussehen, dem Verhalten, bis hin zur Zahnstellung.

Projekt Polly Illustration Anna 23

Anna, 23: Der Identität zu trotzen fühlt sich manchmal an wie geistige Prostitution

Identität hat für mich zwei Bedeutungen. Objektiv betrachtet ist es die Gesamtheit meiner offiziellen und bürokratischen Charakteristika, die mich als Individuum von anderen Menschen abgrenzt. In diesem Zusammenhang ist Identität etwas, das ich nicht eigenständig verändern kann, sondern behördlich ändern lassen muss (wie Name, Adresse, Beruf, Stichwort Zeugenschutz-Programm). Vielleicht ist Identität in diesem Kontext auch stark mit Demographie verbunden.

Hände mit Smartphone (C) Gilles Lambert

Social Media – Der Versuch einer Gebrauchsanweisung

Trompe-l’œil – ein Begriff, den mein Schullehrer irgendwann während des zweiten Semesters Kunstgeschichte zwischen Kaffeepause und Mathestunde auf einer seiner zahlreichen Powerpoint-Folien mit anschaulichen Beispielen präsentierte. Trompe-l’œil, das täuschende Auge – eine Illusion in der Kunst. Ein Werk, das Dreidimensionalität vorgibt oder die Textur eines bestimmten Materials. Etwas, das man schlicht und einfach als Täuschung bezeichnen kann. Eine Täuschung, die schön ist und in ihrer Optik scheinbar vollkommen real. Damals eine Königsdisziplin unter Künstlern, ist die Technik heute weiterverbreiteter als je zuvor. Vor allem wenn es darum geht unsere Social Media Profile zu pimpen, greifen wir zu den fantastischsten Mitteln. Photoshop, Lightroom, ein Stempel dort, ein Filter da – und schon sieht man aus wie ein Model in der Lifestyle-Rubrik einer Frauenzeitschrift. Ganz zu schweigen von den geplanten Inszenierungen: Posing, Blumensträuße, Hunde mit schicken Leinen und Menschen in Winteroutfits, die ich nicht mal im Frühling tragen würde, weil mir schon beim Anblick der Lymphknoten anschwillt.

Grenzen und Wettbewerbe: Was uns wirklich voneinander trennt

Ich habe in meinem Leben erst vier Kontinente bereist. Vor 20, 30 Jahren wäre diese Statistik bewundert worden – vier von sieben – das wäre ein wahrhaft beeindruckender Schnitt gewesen. Heute sieht die Welt jedoch etwas anders aus. Obwohl diese sieben Kontinente noch immer bestehen, hat sich die Bezwingbarkeit der Ferne um die eigene Achse gedreht. Heute fliegst du gleich morgen um 500 Euro nach Asien, von dort reist du optimalerweise mit dem Zug weiter, entweder in einer kleinen überschaubaren Gruppe von Freunden oder am besten (und modernsten) nur mit dir selbst und deinem Rucksack. Im nächsten Jahr gehts dann nach Südamerika – diesmal gleich 2 Monate um auch wirklich alles zu sehen, was du dir vorgenommen hast. Ein zweites Mal hast du immerhin keine Zeit für Brasilien, da ist dann ein anderes Land an der Reihe. Es gibt einfach so viel zu entdecken und wir alle, die wir in dieser Welt leben, sehen uns als Entdecker, als Abenteurer, die den Planeten in seiner Gänze erleben wollen. Fotos reichen schon längst nicht mehr aus um die Schönheit und Wirkung eines Ortes zu erfassen. Ich kenne auch niemanden der mit 25 Jahren noch an Jetlag leidet. Dieser Erschöpfungszustand ist, so kommt es mir vor, durch regelmäßige Übung unter Generation Y komplett ausgestorben. Reisen erweitert unseren Horizont und liefert uns nicht nur neue Denkansätze sondern vor allem Dünger zum eigenen geistigen Wachstum. Doch – muss ich dieses wettbewerbsähnliche Kontinent-Hopping tatsächlich mitmachen um als “weltoffen” zu gelten?