Alle Artikel mit dem Schlagwort: Persönliches

Als meine Periode letzten Montag fast das Büro niederbrannte

Es ist Montag und ich habe meine Periode. Das ist großartig, subtrahiert man die Uteruskrämpfe, die Übelkeit und den beinahe immer drohenden Kreislaufzusammenbruch. Aber ich bin eine Frau, die Listen führt, also komme ich vorbereitet. Paracetamol, Schafgarbentee, Gänsefinger-Tinktur und das Kirschkernkissen meiner Mutter – ein Relikt der frühen 90er, dem heilende Wirkungen zugesprochen werden und das mir als Jugendliche sogar den ersten Herzschmerz von der Seele brannte. (Ja, Wärme hilft gegen die Kälte grober Jungs, die zwar küssen, aber noch nicht lieben wollen). Jedenfalls bringe ich besagtes Kissen an diesem Montag mit ins Büro. Der Schafgarbentee zieht vor mir auf dem Tisch, als plötzlich der Feueralarm durch die Räume plärrt.  Ich so: “Maaah, ist das jetzt wieder so ein Probealarm?!Meine Kollegin so “Nein, denke nicht!”  Ich so, nehme meine Tasche, die Jacke, die Stifte (!) und einen letzten Schluck vom Tee und verlasse zusammen mit dem Rest der 50 Leute das Gebäude. Spätestens im Stiegenhaus rieche ich auch, dass es hier irgendwo brennt. Allerspätestens im Erdgeschoss, schlägt sich mein Unterbewusstsein endlich in den Verstand und …

Neonleuchte "You are here"

Wie ein Sticker meinen Blog rettete: Ein ehrlicher Bericht über neue und alte Tiefpunkte

Auf der Heckscheibe meines Autos klebt ein vergilbter Sticker. „Projekt Polly“ steht da in kaum noch sichtbaren Lettern und bildet in seinem runden rosa Kreis einen unübersehbaren Kontrast zu der schwarz lackierten Umgebung. Ich benutze meinen Kofferraum ungefähr so häufig wie andere ihre Saugglocke. Möglicherweise weil er gerade mal so groß ist wie eine schmale Küchenschublade von Ikea. Doch es passiert gerade an einem Samstag, am Parkplatz des schwedischen Möbelherstellers, als ich eine frisch verpackte Klobrille und nach Heidelbeere duftende Kerzen in den Hinterraum meines Autos packe. „Willst du den Sticker nicht langsam mal abkratzen?“, fragt mich meine Freundin und lädt einen Esszimmer-Stuhl auf die Rückbank. Ich erstarre als mein Blick auf den Sticker fällt. Meine Hand streicht liebevoll über das Plastik, während sie mit zusammengepressten Zähnen die Kartons in den Innenraum des Autos schiebt. Ich seufze laut und lächle still. „Eigentlich nicht“, sage ich als wir wieder im Auto sitzen. „Also jetzt doch nicht mehr? Aber ich brauche noch Tomaten“, sagt sie und für einen Moment sehen wir uns verwirrt an, bis sich die Falten auf unserer Stirn in lautes Lachen auflösen. „Ich dachte du meinst den Supermarkt“, erklärt sie mir als sie sich kichernd die Wimperntusche von der Wange wischt. „Was wolltest du mir sagen?“ Entschlossen nehme ich das Lenkrad in die Hand. „Projekt Polly“, sage ich „ich gebe das Aufhören endlich auf.“

Hand mit Blume

Ich habe den Spaß am “Gut sein” verloren

Es ist schwierig geworden, für eine Sache einzustehen (und damit auch ernstgenommen zu werden) ohne sich dabei auf ein Extrem einzulassen. Will man über Nachhaltigkeit schreiben, sollte man zumindest auf Plastik verzichten und sich vegan ernähren. Tut man das nicht, hagelt es scharfe Kritik und man fragt sich, warum man überhaupt etwas ändern sollte, wenn man nicht bereit ist, den ganzen Preis dafür zu zahlen.