Alle Artikel mit dem Schlagwort: Leben

Als meine Periode letzten Montag fast das Büro niederbrannte

Es ist Montag und ich habe meine Periode. Das ist großartig, subtrahiert man die Uteruskrämpfe, die Übelkeit und den beinahe immer drohenden Kreislaufzusammenbruch. Aber ich bin eine Frau, die Listen führt, also komme ich vorbereitet. Paracetamol, Schafgarbentee, Gänsefinger-Tinktur und das Kirschkernkissen meiner Mutter – ein Relikt der frühen 90er, dem heilende Wirkungen zugesprochen werden und das mir als Jugendliche sogar den ersten Herzschmerz von der Seele brannte. (Ja, Wärme hilft gegen die Kälte grober Jungs, die zwar küssen, aber noch nicht lieben wollen). Jedenfalls bringe ich besagtes Kissen an diesem Montag mit ins Büro. Der Schafgarbentee zieht vor mir auf dem Tisch, als plötzlich der Feueralarm durch die Räume plärrt.  Ich so: “Maaah, ist das jetzt wieder so ein Probealarm?!Meine Kollegin so “Nein, denke nicht!”  Ich so, nehme meine Tasche, die Jacke, die Stifte (!) und einen letzten Schluck vom Tee und verlasse zusammen mit dem Rest der 50 Leute das Gebäude. Spätestens im Stiegenhaus rieche ich auch, dass es hier irgendwo brennt. Allerspätestens im Erdgeschoss, schlägt sich mein Unterbewusstsein endlich in den Verstand und …

Hände mit Smartphone (C) Gilles Lambert

Social Media – Der Versuch einer Gebrauchsanweisung

Trompe-l’œil – ein Begriff, den mein Schullehrer irgendwann während des zweiten Semesters Kunstgeschichte zwischen Kaffeepause und Mathestunde auf einer seiner zahlreichen Powerpoint-Folien mit anschaulichen Beispielen präsentierte. Trompe-l’œil, das täuschende Auge – eine Illusion in der Kunst. Ein Werk, das Dreidimensionalität vorgibt oder die Textur eines bestimmten Materials. Etwas, das man schlicht und einfach als Täuschung bezeichnen kann. Eine Täuschung, die schön ist und in ihrer Optik scheinbar vollkommen real. Damals eine Königsdisziplin unter Künstlern, ist die Technik heute weiterverbreiteter als je zuvor. Vor allem wenn es darum geht unsere Social Media Profile zu pimpen, greifen wir zu den fantastischsten Mitteln. Photoshop, Lightroom, ein Stempel dort, ein Filter da – und schon sieht man aus wie ein Model in der Lifestyle-Rubrik einer Frauenzeitschrift. Ganz zu schweigen von den geplanten Inszenierungen: Posing, Blumensträuße, Hunde mit schicken Leinen und Menschen in Winteroutfits, die ich nicht mal im Frühling tragen würde, weil mir schon beim Anblick der Lymphknoten anschwillt.

Stapel Bücher mit Tasse Tee (C) Stephanie Rosicka

Die 10-Tage-Minimalismus-Challenge

2017 begann für mich in einem etwas abweichendem Tempo. Anstatt mich auf meine Neujahres-Vorsätze zu stürzen, die Pisten unsicher zu machen oder meine ewig lange Leseliste abzuarbeiten, konzentrierte ich mich auf, nun ja, gar nichts. Die Energie, die mich gewöhnlich zu Beginn des Jahres in eine Art Rauschzustand versetzt, blieb tatsächlich aus und überließ mich meiner Couch und dem Fernseher. Was ich jedoch zum ersten Mal seit Monaten hatte, war Zeit. Zeit, die ich nach 2 Wochen nicht mehr für den hundertsten Weihnachtsfilm oder die dritte Shopping-Tour verschleudern wollte und schließlich zum Reflektieren nutzte.

Frau in der Wüste (C) Averie Woodard

TU-ES-DAY: Lebe laut

Frau Müller lebt in der Wohnung nebenan. Bei unserer ersten Begegnung, in dem mit Katzenbilder und Keramikväschen dekorierten Stiegenhaus, offenbarte sie mir in einem einzigen Atemzug, dass ihr Name Hildi sei und sie ausschließlich mit Kopfhörern fernsähe, um auch ja keinen Mehrwert in der Geräuschkulisse zu erzeugen. Hildi war mir sympathisch, wenngleich sie mir auch etwas leid tat, denn – sie lebte leise. Nie drang von ihr auch nur ein Dezibel Lärm durch die viel zu schiefen Mauern unserer beider vier Wände. Nicht einmal dann, als ich – Wohnzimmer an Wohnzimmer – acht tiefe Löcher in die besagte Wand bohrte von denen sich am Ende nur zwei als brauchbar erwiesen. Niemals klingelte es an meiner Tür oder klopfte es an der Wand. Auch nicht, als ich mit Freunden Feste feierte und wir Musik spielten oder um 03.00 Uhr morgens lautstark in der Küche Pasta kochten, weil Pasta nunmal das einzige ist, was ich nach zwei Flaschen Wein noch kochen kann. Zugegeben – wir waren keine ohrenbetäubend lauten Radaumacher, die es verdient gehabt hätten, von der Polizei zurechtgewiesen zu werden. Dennoch war ich rücksichtslos und hätte das ein oder andere mal erwartet, Hildi auf meiner Fußmatte wütend stampfen zu sehen.

Freunde machen ein Lagerfeuer am Strand (C) Kimson Doan

Wenn lachen weh tut: Gefangen zwischen echtem Ernst und falschem Spaß

Für diejenigen, die sich für die Butterseite des Lebens entschieden haben, bedeutet der Sommer vor allem Freiheit. Frei sein von jeglichen schulischen Verpflichtungen, durch die Welt reisen, sich an verlassenen Stränden fotografieren lassen, lange schlafen und noch länger feiern. Der Ernst des Lebens wartet auf uns am Ende der Ferien in Form von verwirrenden Stundenplänen, vollen Kurslisten und frisch gespitzten Bleistiften. Das Gemüt orientiert sich am Wechsel der Jahreszeiten und wandert von heiter auf wolkig, oder vielmehr Gewitter/Regen-wolkig. Wenn man sich bereits oder von Haus aus entschieden hat dem Schul- oder Uni-Leben die kalte Schulter zu zeigen, beläuft sich das Ausmaß der Freiheit auf eine lächerliche Zeitspanne von 2 bis maximal 3 Wochen pro Sommer. Und obwohl bei Wiedereintritt in den alltäglichen Wahnsinn meist noch die Sonne scheint, ist es plötzlich Herbst, der in Form einer eisigen Brise die Gedanken in Schockstarre versetzt. Selbst wenn man seinen Job, sein Studium, sein Praktikum liebt – einen Tag ohne jegliche Verpflichtungen zu leben erfordert ausschließlich Spaß, während ein anderer – ein gewöhnlicher – von uns verlangt Kontrolle zu bewahren, pünktlich um 6.00 Uhr aus dem Bett zu springen und ein gewisses Maß Ernsthaftigkeit an den Tag zu legen. Klingt fast lustig, oder?