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Tisch mit Weingläsern

Glanz, Krampf und Gloria – Ein Hoch auf den Bread-and-Butter Job

Im Sommer 2011 scheuerte ich eingetrocknete Fäkalrückstände mit Gummihandschuhen, Klobürste und Brechreiz von den Toiletten einer Schule. Zusammen mit drei Freundinnen quälte ich mich morgens aus dem Bett und nachmittags in den Bikini um meine nach Essigreiniger duftenden Haare (glaubt mir, nach allem was man dort riecht, ist Essigreiniger wirklich ein Duft) ins Chlorwasser zu tauchen und mich im stechenden Sonnenschein trocken zu schlafen. Die Freuden eines Ferienjobs, bei dem man in Jogginghose erscheinen durfte und am Ende des Monates so viel Kohle bekam, wie jemand im 3. Berufsjahr “laut Kollektivvertrag”.

Freunde machen ein Lagerfeuer am Strand (C) Kimson Doan

Wenn lachen weh tut: Gefangen zwischen echtem Ernst und falschem Spaß

Für diejenigen, die sich für die Butterseite des Lebens entschieden haben, bedeutet der Sommer vor allem Freiheit. Frei sein von jeglichen schulischen Verpflichtungen, durch die Welt reisen, sich an verlassenen Stränden fotografieren lassen, lange schlafen und noch länger feiern. Der Ernst des Lebens wartet auf uns am Ende der Ferien in Form von verwirrenden Stundenplänen, vollen Kurslisten und frisch gespitzten Bleistiften. Das Gemüt orientiert sich am Wechsel der Jahreszeiten und wandert von heiter auf wolkig, oder vielmehr Gewitter/Regen-wolkig. Wenn man sich bereits oder von Haus aus entschieden hat dem Schul- oder Uni-Leben die kalte Schulter zu zeigen, beläuft sich das Ausmaß der Freiheit auf eine lächerliche Zeitspanne von 2 bis maximal 3 Wochen pro Sommer. Und obwohl bei Wiedereintritt in den alltäglichen Wahnsinn meist noch die Sonne scheint, ist es plötzlich Herbst, der in Form einer eisigen Brise die Gedanken in Schockstarre versetzt. Selbst wenn man seinen Job, sein Studium, sein Praktikum liebt – einen Tag ohne jegliche Verpflichtungen zu leben erfordert ausschließlich Spaß, während ein anderer – ein gewöhnlicher – von uns verlangt Kontrolle zu bewahren, pünktlich um 6.00 Uhr aus dem Bett zu springen und ein gewisses Maß Ernsthaftigkeit an den Tag zu legen. Klingt fast lustig, oder?

Und, was machst du so?

“Was möchtest du einmal werden wenn du groß bist?” Ich höre noch heute die Stimmen der älteren Damen in meinem Kopf, die sich entzückt zu mir herabbeugen und gespannt auf eine noch entzückendere Antwort hoffen. Mit 5 Jahren wollte ich Tierärztin werden – ein absoluter Klassiker. Mit 12 Jahren fantasierte ich von einer Karriere als Gerichtsmedizinerin und als dann mit 14 der Gedanke kam, ich werde Sexualtherapeutin, waren die begeisterten “Ahh”s und “Ooh”s schon lange verstummt. Obwohl ich schon immer ein Kind war, das bei dem Anblick von Stift und Papier weitaus mehr Begeisterung empfand als auf einem Fußballfeld, kam mir erst später der Gedanke, ich könnte doch einen Beruf ausüben, der sich mit Design beschäftigt. Und so wuchs mein Interesse für die Ästhetik der Dinge mit mir heran. Doch so sehr ich mich auch in das künstlerische Handwerk hineinzuzwängen versuchte, spürte ich stets die Anwesenheit der Fantasie, die bereits als Kind insgeheim hegte – Eines Tages würde ich nichts anders tun als zu schreiben, schreiben, schreiben.