Es ist schwierig geworden, für eine Sache einzustehen (und damit auch ernstgenommen zu werden) ohne sich dabei auf ein Extrem einzulassen. Will man über Nachhaltigkeit schreiben, sollte man zumindest auf Plastik verzichten und sich vegan ernähren. Tut man das nicht, hagelt es scharfe Kritik und man fragt sich, warum man überhaupt etwas ändern sollte, wenn man nicht bereit ist, den ganzen Preis dafür zu zahlen.

Klar, es ist inspirierend durch diverse Social Media Kanäle zu scrollen und Persönlichkeiten dabei zu folgen wie sie ihr Leben penibelst nach den jeweiligen Prämissen gestalten. Doch nachdem ich mich an sämtlichen supernachhaltigenöko-Hashtags satt gesehen habe, weicht die anfängliche Inspiration dem Gefühl der Schuld. Plötzlich fühlt es sich unzureichend an, wenn ich mir eine neue Hülle für mein Kindle gekauft habe und mich bloß vegetarisch ernähre. Der erhobene Finger erscheint mir im Geiste vor jeder Entscheidung und führt dazu, dass meine Lust daran, etwas Gutes zu tun, verpufft wie ein unruhiger Traum am Morgen.

You do You

Diesen starren und oftmals radikalen Erwartungen entgegenzuwirken, ist alles andere als leicht. Vor allem wenn es eine „gute“ und eine „schlechte“ Seite gibt lauern Kritik und Vorurteile überall. Warum also, bleiben wir nicht bei der Wahrheit? Und mit Wahrheit meine ich, dass jede/r seine eigene leben sollte. Jede/r sollte sich eingestehen, was oder wieviel sie/er zu einer Sache beitragen möchte, was davon gut in den Alltag zu integrieren ist und was man lieber doch nicht umsetzen möchte. Vielleicht ist es an der Zeit sich von „gut“ zu verabschieden und endlich zu „aufrichtig“ überzugehen. Ich denke wir bewegen uns schon lange in einem völlig anderen Spektrum, jenseits von „schwarz“ und „weiß“, und versuchen dennoch uns an den alten Regeln festzuklammern und andere zu verurteilen, wenn diese sich nicht daran halten. Überlegt doch mal wie viel mehr Freude und Zeit wir plötzlich hätten, wenn wir unsere Energie auf etwas anderes als Perfektion konzentrieren würden.

Ich, für meinen Teil, halte wenig von erhobenen Fingern. Sie stehen für Angst und Schuld, für Hierarchien, für Täter und Opfer – im Grunde für alles, was den Nährboden der Kreativität auf einen Schlag vergiftet. Die besten Ideen entstehen aus Leichtigkeit und Freude und die wiederum weben den Stoff, aus dem man Lösungen kreiert. Und eins steht fest – Innovation steht jedem gut, solange man den richtigen Schnitt, die individuelle Größe und den eigens angepassten Preis dafür wählt.