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Buchclub: The Life-Changing Magic of Tidying Up von Marie Kondo

Buch Marie Kondo

Vor etwas mehr als einem Jahr konnte man sich vor Blog-Beiträgen und Youtube-Tutorials zum Thema Minimalismus kaum retten. Alles schien auf sein Notwendigstes reduziert und feinsäuberlich an einen eigens zugewiesenen Platz zu thronen. Nachdem YOLO ausgedient hatte, wurde “Ordnung 2.0” zum neuen Credo und verzückte die Szene mit weißen Wänden, Kakteen in Terrakotta-Töpfen und dem verlockenden Versprechen endlich frei zu sein. Um mich herum erhob sich eine Welle des munteren Wegwerfens, Sortierens und Verstauens. Also befasste ich mich ein bisschen intensiver mit dem minimalistisch ausgelegten Ordnungswahn und stolperte immer wieder über die hochgepriesene Bibel des “Decluttering”: The Life-Changing Magic of Tidying Up von der Hohepriesterin der Ordnung: Marie Kondo.

Zu Beginn des Buches gewährt die Autorin den Lesern einen privaten Einblick in ihre Vergangenheit und ihren damit verbundenen stetigen Kampf um die Aufrechterhaltung der häuslichen Ordnung. Bereits von Kindesbeinen an, war es Kondos persönliches Anliegen den elterlichen Haushalt von Grund auf neu zu organisieren und damit den familiären Alltag zu optimieren. Auch dank der vielen gescheiterten Versuche entwickelte sich die Autorin über die Jahre zu einer Expertin auf dem Gebiet des Aufräumens und präsentiert mit The Life-Changing Magic of Tidying Up ihre erfolgreiche, eigens entwickelte Systematik: die KonMari Methode.

Die Methode, so Kondo, ist nicht nur ein gut funktionierendes Verfahren um den Wohnraum von Grund auf neu zu organisieren, sie soll außerdem – und vor allem – zu mehr innerer Klarheit führen. Ein interner und externer Platzmacher, sozusagen. Bereis im ersten Kapitel umreißt sie die wichtigsten Regeln ihres Systems:

  • Einmal richtig aufräumen statt jeden Tag ein bisschen
  • Mehr Stauraum zu haben ist nicht unbedingt gut
  • Die Abfolge lautet: Aussortieren, Wegwerfen, Ordnen & Verstauen
  • Das Ausrangieren und Ordnen muss nach Kategorien, nicht nach Räumen erfolgen

Das Aussortieren wird als erster wichtiger Schritt beschrieben. Bevor man jedoch beginnt, alles wie wild wegzuwerfen, rät Kondo, sich bewusst einen Moment Zeit zu nehmen und festzuhalten wie man sich nach dem Prozess fühlen möchte. Wie das neue Zuhause aussehen und riechen soll, wie der eigene Alltag wohl wäre, mit dieser neu erworbenen räumlichen und innerlichen Schärfe. Je detaillierter die Beschreibung, desto besser. Das könnte dann in etwa so lauten:

“Well, when I come home from work, the floor would be clear of clutter … and my room as tidy as a hotel suite with nothing obstructing the line of sight. I’d have a pink bedspread and a white antique-style lamp. Before going to bed, I would have a bath, burn aromatic oils and listen to classical piano or violin while doing yoga and drinking herbal tea. I would fall asleep with a feeling of unhurried spaciousness.”

Hat man diese Eindrücke manifestiert, kann das große Aussieben beginnen. Kondo empfiehlt eine geregelte Abfolge nach folgenden Kategorien:

  1. Kleidung
  2. Bücher
  3. Dokumente und Papiere
  4. Komono (Sonstiges)

Die Hauptkategorien unterteilen sich wiederum in verschiedene Unterkategorien, die das Ausrangieren erleichtern sollen. Bsp. Kleidung: Oberteile, Unterteile, Socken, Unterwäsche, Taschen, Accessoires, Schuhe, etc.

Zunächst werden alle Dinge einer Kategorie in der gesamten Wohnung (und Lagerräume) zusammengesucht und großflächig aufgelegt. Bsp. Bücher: Sollte man ein paar Bücher im Schlafzimmer rumliegen haben, den Großteil im Wohnzimmer in Regalen und dann noch ein bis zwei Kochbücher in der Küche, trägt man alle zusammen und sortiert dann aus.

Um festzustellen ob man etwas behalten möchte oder nicht, soll der Leser jeden einzelnen Gegenstand berühren und sich folgende Frage stellen: “Macht es mich glücklich?” Die Antwort darauf entscheidet frei nach dem Motto “stay or go”. Am Ende der Wegwerfaktion sollte man, so Kondo, ausschließlich von Dingen umgeben sein, die auch wirklich Glücksgefühle auslösen. Aber auch was alltägliche, nicht unbedingt erfreuliche Gegenstände (#klobürste) betrifft, liefert sie einige Ideen, um eine dankbare Haltung ihnen gegenüber zu entwickeln und ihnen dadurch mehr Freude abzugewinnen.

Nach dem Aussortieren widmet sich die Autorin schließlich der Kunst des Verstauens. Kondo fordert ein “Zuhause” für jedes Ding und spricht sich an dieser Stelle explizit gegen das Stapeln, und für eine vertikale Lagerung von Gegenständen aus. Sogar im Kleiderkasten soll man getrost auf die guten alten Wäschestöße verzichten und das Aufbewahren in Schubladen vorziehen. Damit die Kleidung dann auch knitterfrei bleibt, entwickelte die Expertin eine spezielle Anleitung zur Faltung der Garderobe. Ziel dieser Methodik ist es, den “sweet spot” eines jeden Kleidungsstücks zu evaluieren und es darauf zu platzieren. Hier ein kleines Tutorial dazu. Ferner bezeichnet sie den Kauf von teuren Ordnungssystemen als Fehlinvestition und befindet herkömmliche Kartonboxen, Schatullen und Taschen als vollkommen ausreichend.

Im letzten Kapitel illustriert Kondo noch einmal die Vorteile, die mit gezieltem Wegwerfen und Verstauen einhergehen. Nicht nur mehr Platz soll die Wohnung nun bieten, sondern vor allem mehr Freizeit für ihre Bewohner. Zeit, die bisher für tägliche Aufräumarbeiten aufgewandt wurde, kann nun in neue Hobbies investiert werden und somit zu einem glücklicheren, ausgeglichenerem Leben führen. Fragen wie “Was möchte ich mit meinem Leben anfangen?” oder “Was macht mir Spaß?” sollen durch die vorherrschende Ordnung leichter beantwortet und umgesetzt werden. Das wäre dann wohl die Magie an der Sache.

Mein Fazit

Ich verschlang das Buch binnen zwei Tagen und konnte mich bereits beim Lesen der ersten Zeilen kaum davon abhalten, gleich mit dem Ausrangieren zu beginnen. Als die großen schwarzen Müllsäcke dann endlich bereitstanden, war ich dermaßen ungehalten, dass ich sogar Geld weggeschmissen habe. Ja, Geld! Fremdwährungen – aber, Geld! (Schuld daran gebe ich selbstverständlich nicht dem Buch, sondern mir selbst.)

Trotzdem fühlte ich mich nach dem Ausrangieren wunderbar befreit und hatte den Eindruck die Luft in der Wohnung wäre irgendwie frischer und klarer. Das Buch beinhaltet viele wertvolle Tipps. Vor allem das vertikale Sortieren meiner Kleidung nach der KonMari Methode hat mir dabei geholfen, mein Kastenchaos endlich in den Griff zu bekommen. Dazu habe ich in meinem Kleiderschrank Schubladen montiert und benutze nun bei weitem weniger Stauraum. Was ich jedoch bereits wieder aufgegeben habe, ist das penible Falten und Verstauen meiner Socken. Denn DAS hat in meinem Alltag definitiv keinen Platz.

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