Liebes Tagebuch
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Als meine Periode letzten Montag fast das Büro niederbrannte

Es ist Montag und ich habe meine Periode. Das ist großartig, subtrahiert man die Uteruskrämpfe, die Übelkeit und den beinahe immer drohenden Kreislaufzusammenbruch. Aber ich bin eine Frau, die Listen führt, also komme ich vorbereitet. Paracetamol, Schafgarbentee, Gänsefinger-Tinktur und das Kirschkernkissen meiner Mutter – ein Relikt der frühen 90er, dem heilende Wirkungen zugesprochen werden und das mir als Jugendliche sogar den ersten Herzschmerz von der Seele brannte. (Ja, Wärme hilft gegen die Kälte grober Jungs, die zwar küssen, aber noch nicht lieben wollen). Jedenfalls bringe ich besagtes Kissen an diesem Montag mit ins Büro. Der Schafgarbentee zieht vor mir auf dem Tisch, als plötzlich der Feueralarm durch die Räume plärrt. 

Ich so: “Maaah, ist das jetzt wieder so ein Probealarm?!
Meine Kollegin so “Nein, denke nicht!” 

Ich so, nehme meine Tasche, die Jacke, die Stifte (!) und einen letzten Schluck vom Tee und verlasse zusammen mit dem Rest der 50 Leute das Gebäude. Spätestens im Stiegenhaus rieche ich auch, dass es hier irgendwo brennt. Allerspätestens im Erdgeschoss, schlägt sich mein Unterbewusstsein endlich in den Verstand und dort, im Foyer auf Marmorboden und Paracetamol dämmert mir plötzlich “Ich hab das Kirschkernkissen in der Mikrowelle vergessen!”

Im Geiste sehe ich die Schlagzeile schon vor mir “Menstruierende Frau löst Bürobrand wegen Wärmekissen aus”. Noch bevor ich in Schnappatmung verfalle, kommt mir der Chef entgegen und ich beteuere unter Flüchen meine Schuld, wende am Treppenabsatz und laufe mutig (und mit der Erlaubnis der höheren Hierarchie) die Stiegen hinauf und in die Küche hinein. Es stinkt. Flammen schlagen mir keine entgegen. Die Mikrowelle ist längst fertig, das Kirschkernkissen leider auch. Verbrannt, verkohlt, vergessen. Das Relikt eines Relikts. Wehmütig hebe ich es in die Spüle und bade es in kaltem Wasser. Es raucht und qualmt ein letztes Mal bevor es endgültig dahinscheidet. So lasse ich es zurück. Momente bevor die Feuerwehrmänner aus dem Auto steigen und die Master Office Managerin der Firma ihnen mein Vergeh, äh.. Versehen schildert. Draußen füge ich mich in die Gruppe und seufze ein ehrliches “Sorry!”. Im Herzen tut er mir schon weh, der Verlust. Noch bevor es mir vererbt werden konnte, noch bevor seine Zeit gekommen war, ist der pinke Beutel aufgegangen in kleine zarte Flammen. Und damit die Patientenakte der Frauen meiner Familie.

Trotzdem, ein bisschen bin ich schon stolz auf meine Periode. Wenn die unkontrollierten Auswirkungen von Weiblichkeit beinahe ein dem Kapitalismus verschriebenes Gebäude abfackeln können, was könnten wir dann mit der Fülle unserer femininen Energien bewirken? Ich bin mir sicher: Wenn schon keine Brände, dann zumindest den Weltfrieden.

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