Jahr: 2019

Als meine Periode letzten Montag fast das Büro niederbrannte

Es ist Montag und ich habe meine Periode. Das ist großartig, subtrahiert man die Uteruskrämpfe, die Übelkeit und den beinahe immer drohenden Kreislaufzusammenbruch. Aber ich bin eine Frau, die Listen führt, also komme ich vorbereitet. Paracetamol, Schafgarbentee, Gänsefinger-Tinktur und das Kirschkernkissen meiner Mutter – ein Relikt der frühen 90er, dem heilende Wirkungen zugesprochen werden und das mir als Jugendliche sogar den ersten Herzschmerz von der Seele brannte. (Ja, Wärme hilft gegen die Kälte grober Jungs, die zwar küssen, aber noch nicht lieben wollen). Jedenfalls bringe ich besagtes Kissen an diesem Montag mit ins Büro. Der Schafgarbentee zieht vor mir auf dem Tisch, als plötzlich der Feueralarm durch die Räume plärrt.  Ich so: “Maaah, ist das jetzt wieder so ein Probealarm?!Meine Kollegin so “Nein, denke nicht!”  Ich so, nehme meine Tasche, die Jacke, die Stifte (!) und einen letzten Schluck vom Tee und verlasse zusammen mit dem Rest der 50 Leute das Gebäude. Spätestens im Stiegenhaus rieche ich auch, dass es hier irgendwo brennt. Allerspätestens im Erdgeschoss, schlägt sich mein Unterbewusstsein endlich in den Verstand und …

Greif’ mich an, aber berühr’ mich nicht

Es ist zu heiß an diesem Sonntag Morgen. Ich warte bis der Kaffee kalt geworden ist und flüchte in die dunkelste Stelle des Schattens. Unter dem 100 Jahre alten Marillenbaum breite ich die Zeitung aus und verschlinge eine Zeile nach der anderen. Innenpolitik, Feuilleton, Schulreform. Bis ich plötzlich hängen bleibe und nicht mehr weiter kann. Ein Artikel über Protestaktionen in Hongkong. Nichts Ungewöhnliches, wenn sich ein Volk gegen eine unliebsame Herrschaft zur Wehr setzt. Nichts, das mich zum Stocken bringt. Bis ich zur zweiten Spalte komme. „Be water“ heißt es dort. Eine neue Taktik des Protests, der unvorhergesehen an einem Ort auftaucht, um dann woanders hinzufließen. Eine kurzweilige Straßendemo hier, ein plötzliches Sit-In dort. Alles zu knapp und flüchtig, um eine Konfrontation mit der Polizei zu provozieren. Die Demonstranten bleiben anonym und unsichtbar. Man kann nicht bestraft, nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Mein Atem wird flacher. Irgendetwas in mir fällt von einer Höhe. Erzeugt Hitze durch die Reibung mit den Gefühlen in meinem Körper. Der Schatten wird unerträglich heiß. So heiß, dass ich ihn verlassen …

Ist das endlich Liebe oder kann das weg?

In jedem Leben eines jeden Lebens gibt es eine romantische Kurzgeschichte. Ein flüchtiges Abenteuer, dessen Auswirkungen jedoch länger anhalten, als sich jeder von uns eingestehen möchte. Eine zwischenmenschliche Verbindung, so knapp, wie das geringste Maß an Mut es zulässt. Die dann brach liegt für Monate oder Jahre, nur um dann plötzlich wieder aufzuflattern wie ein Huhn, dem man gerade den Kopf abschlagen hat. Nach außen hin misst man ihr kaum Bedeutung bei während man innen drinnen alles auf die Waage legt um nachzukalkulieren, wie man sich bei dieser Gleichung so unfassbar verrechnen konnte. Es herrscht Stille. Dann sendet oder bekommt man eine Nachricht. Aus dem Nichts liegt man zwei Tage später Haut an Haut und fühlt sich gut. Allerdings nur solange bis man das Bett verlässt und einem bewusst wird, dass das, woran man sich in der Abwesenheit geklammert hat, zwar Nähe, aber keine Intimität geworden ist.