Monate: April 2016

Hirsch (C) Trevor Paterson

Sehen und gesehen werden: Der allgegenwärtige Blick und seine Rollenbesetzung

Seit meinem 15ten Lebensjahr sind High-Heels ein fester Bestandteil meiner “Club-Garderobe”. Mit meinem gefälschten Ausweis, einer kräftigen Portion Make Up und zehn Zentimetern mehr winkten mich die Türsteher unbeirrt durch die verbotenen Eingänge und ermöglichten mir Zugang zu durchtanzten Nächten und neuen Erfahrungen. Dass ich ein paar Jahre später meine Volljährigkeit erreicht hatte, hinderte mich nicht daran meiner “Uniform” treu zu bleiben und die Künstlichkeit meines Auftritts zu überdenken. Ich habe oft Stunden damit verbracht meine Haare zu stylen, mein Outfit auszuwählen und mich wie eine Maskenbildnerin zu schminken, nur um dann drei Stunden in einem mittlerweile langweiligen Club zu verbringen. Im Nachhinein betrachtet war das natürlich alles reiner Blödsinn. Doch was wusste ich schon mit 16, 17 Jahren? Es gefiel mir, einen Raum zu betreten und die Blicke anderer auf mir zu spüren. Plötzlich war ich nicht mehr das pubertierende Mädchen vom Land, sondern eine begehrenswerte junge Frau. Die Tatsache, dass ich diese Anerkennung genoss, sagt einerseits viel über mein damaliges Selbstbewusstsein aus; Andererseits jedoch auch darüber, was ich mir von der Gesellschaft so abgeschaut habe – und damit meine ich nicht den perfekten Lidstrich oder einen kurzweiligen Fashion-Trend.

Das Auto als Repräsentant des inneren Kontrollzwangs

Ich leide zum Glück nicht unter Flugangst. Wenn ich einen Flughafen betrete, checke ich meinen Kontrollzwang zusammen mit meinem Gepäckstück beim Schalter ein und übergebe den übrig gebliebenen gedanklichen Rest beim Einsteigen dem lächelnden, meist gut gelaunten Personal der Fluggesellschaft. Nachdem ich meinen Sitzplatz gefunden habe, mache ich es mir gemütlich. Musik an, Schuhe aus, Snacks raus. Zugegeben – ein volles Flugzeug und ein enger Platz in der Economy Class sind nicht gerade die angenehmsten Umstände, um einen 9-Stunden-Flug entspannt zu überstehen, doch sie lösen in mir bei weitem nicht so viel Stress aus wie Autofahren.