Monate: März 2016

Grenzen und Wettbewerbe: Was uns wirklich voneinander trennt

Ich habe in meinem Leben erst vier Kontinente bereist. Vor 20, 30 Jahren wäre diese Statistik bewundert worden – vier von sieben – das wäre ein wahrhaft beeindruckender Schnitt gewesen. Heute sieht die Welt jedoch etwas anders aus. Obwohl diese sieben Kontinente noch immer bestehen, hat sich die Bezwingbarkeit der Ferne um die eigene Achse gedreht. Heute fliegst du gleich morgen um 500 Euro nach Asien, von dort reist du optimalerweise mit dem Zug weiter, entweder in einer kleinen überschaubaren Gruppe von Freunden oder am besten (und modernsten) nur mit dir selbst und deinem Rucksack. Im nächsten Jahr gehts dann nach Südamerika – diesmal gleich 2 Monate um auch wirklich alles zu sehen, was du dir vorgenommen hast. Ein zweites Mal hast du immerhin keine Zeit für Brasilien, da ist dann ein anderes Land an der Reihe. Es gibt einfach so viel zu entdecken und wir alle, die wir in dieser Welt leben, sehen uns als Entdecker, als Abenteurer, die den Planeten in seiner Gänze erleben wollen. Fotos reichen schon längst nicht mehr aus um die Schönheit und Wirkung eines Ortes zu erfassen. Ich kenne auch niemanden der mit 25 Jahren noch an Jetlag leidet. Dieser Erschöpfungszustand ist, so kommt es mir vor, durch regelmäßige Übung unter Generation Y komplett ausgestorben. Reisen erweitert unseren Horizont und liefert uns nicht nur neue Denkansätze sondern vor allem Dünger zum eigenen geistigen Wachstum. Doch – muss ich dieses wettbewerbsähnliche Kontinent-Hopping tatsächlich mitmachen um als “weltoffen” zu gelten?

Und, was machst du so?

“Was möchtest du einmal werden wenn du groß bist?” Ich höre noch heute die Stimmen der älteren Damen in meinem Kopf, die sich entzückt zu mir herabbeugen und gespannt auf eine noch entzückendere Antwort hoffen. Mit 5 Jahren wollte ich Tierärztin werden – ein absoluter Klassiker. Mit 12 Jahren fantasierte ich von einer Karriere als Gerichtsmedizinerin und als dann mit 14 der Gedanke kam, ich werde Sexualtherapeutin, waren die begeisterten “Ahh”s und “Ooh”s schon lange verstummt. Obwohl ich schon immer ein Kind war, das bei dem Anblick von Stift und Papier weitaus mehr Begeisterung empfand als auf einem Fußballfeld, kam mir erst später der Gedanke, ich könnte doch einen Beruf ausüben, der sich mit Design beschäftigt. Und so wuchs mein Interesse für die Ästhetik der Dinge mit mir heran. Doch so sehr ich mich auch in das künstlerische Handwerk hineinzuzwängen versuchte, spürte ich stets die Anwesenheit der Fantasie, die bereits als Kind insgeheim hegte – Eines Tages würde ich nichts anders tun als zu schreiben, schreiben, schreiben.

Kopf versus Suchmaschine: Das Einmaleins der Informationen

In der Schule habe ich – wie jedes Kind, das Glück hat eine Ausbildung zu absolvieren – die Grundrechnungsarten gelernt. Sagen wir mal so – wirklich erfreut das Einmaleins zu pauken war ich definitiv nicht. Doch was mich fasziniert hat, war die Beständigkeit der Gleichungen. Vier mal Vier macht Sechzehn. Zweiundsiebzig durch Acht ergibt Neun. Also habe ich meine Sätzchen gelernt und gelernt, bis sie wie aus der Pistole geschossen kamen und ich sie ohne nachzudenken aufzählen konnte. Ein paar Jahre später studierte ich Zahlen auf einer völlig anderen Ebene. Die Rechnungen waren komplexer und die Ergebnisse verwirrender geworden. Plötzlich gab es Buchstaben und Hochzahlen, Wurzeln und Prozente und (nicht zu vergessen) ein kleines Arschloch namens Pi. Zu diesem Zeitpunkt war meine Begeisterung für die Lehre der Mathematik auf ein Minimum gesunken. Doch dann kam er – der Moment, da uns die Komplexität dieser Formeln erstmals erlaubte einen Taschenrechner zu verwenden. Von da an war Mathe ein leichtes Spiel. Klar, die Prozesse, die uns zum Ergebnis führten galt es nach wie vor zu erlernen, doch all die Dinge, die wir uns als Volksschulkinder mühsam erarbeitet hatten, waren für unseren Kopf nicht mehr relevant. Plötzlich gab es da etwas, das uns so viel Denkarbeit abnahm und ich konnte nicht glücklicher sein.