Monate: Februar 2016

Was ich beim Frauenarzt über Wertvorstellungen gelernt habe

Der Routine-Besuch beim Frauenarzt ist ein persönliches Thema. Nach obligatorischen zehn Minuten im Wartezimmer werde ich in den Untersuchungsraum gerufen und freundlich begrüßt. Nur ein paar Augenblicke später sitze ich auf dem berühmten Sessel, die betreffenden Stellen vollständig entblößt und lasse mich von jemandem begutachten, den ich nicht öfter als ein- bis zweimal pro Jahr treffe. Ich bin ganz ehrlich – Es gibt definitiv Schöneres, aber  wirklich unangenehm ist es mir nicht. Ich fühle mich weder in meiner Intimsphäre verletzt noch beschämt. Es herrscht eine entspannte Atmosphäre, ohne Telefon-Geklingel, Kinder-Geschrei oder Erwachsenen-Gemurmel. Ich denke auch nicht im Traum daran, dass mein Gegenüber mich in irgendeiner Weise beurteilen könnte und wenn doch, dann auf rein medizinischer Ebene.

Raum mit weißen Wänden und Tür (C) Stephanie Rosicka

Mehr Geld, mehr Raum: Ich gebe dem Minimalismus eine Chance

Ich erinnere mich an ein ganz besonderes Spielwarengeschäft aus meiner Kindheit. Es war nicht besonders groß, doch die Wände des Raumes schienen bis nach oben in den vierten Stock zu ragen. Von den Regalen schimmerten Glitzersteine und Barbiepuppen, fröhliches Gedudel war zu hören und in der Action-Ecke warteten grimmige Lego-Piraten auf ihren Einsatz in einer wilden Badewanne. Es war aufregend in diesem winzigen Laden zu stehen, umzingelt von Dingen, die versprachen, Spaß zu machen. Und doch erinnere ich mich auch an spitze Schreie, lautstarkes Wehklagen, stimmliche Oktaven, die man nur als 5-jähriges Kind in die Atmosphäre entlassen kann. Kinder, die ihre Eltern anschrieen, gegen ihren Bauch boxten, Puppen von den Regalen rissen. Wenn ich solche Momente als Kind miterlebte, drückte ich mich verlegen an meine Mutter und wir verließen kommentarlos den Laden.